Top-Olivenöle im Feinschmecker

Top-Olivenöle im Feinschmecker – schlechte Recherche auch

Numero Uno von ComincioliIn dem neuesten Heft „Der Feinschmecker“ finden sich wieder die Ergebnisse des neuesten Olivenöl-Tests. Von 800 verkosteten Olivenölen, haben es 250 in die beigelegte Broschüre als beste Olivenöle der Welt geschafft. Davon wurden 35 Olivenöle besonders ausgezeichnet. So weit, so gut. Leider hat es der Feinschmecker nicht geschafft, ordentlich zu recherchieren, denn in der Broschüre steht leider viel Falsches – zum Leidwesen der Konsumenten, aber auch der Verkäufer. Nachfolgend greife ich einige Beispiele heraus, die deutlich machen sollen, wie unsauber dort gearbeitet wird:

ErbessoEines der Top-35-Olivenöle ist das Erbesso der Oleificio Gulino aus Sizilien. Als Olivensorte gibt der Feinschmecker „Erbesso“ an. Dann soll der Feinschmecker sich mal auf die Suche nach der Olivensorte machen, ich bin gespannt. Das Erbesso-Olivenöl ist ein reinsortiges Öl aus der Tonda Iblei-Olive.

Apropos reinsortig. Da herrscht im Feinschmecker-Team einige Verwirrung: Ein weiteres Olivenöl aus den Top 35 ist das Numero 1, eine Assemblage aus zehn reinsortigen Olivenölen, die nach der Veronelli-Methode hergestellt wurden. Doch was schreibt der Feinschmecker: „Ein reinsortiges Öl aus dem Hause Comincioli …“. Wenn zehn verschiedene Olivenöle aus Gründen der optimalen Geschmacksfindung zu einer Assemblage zusammengemixt werden, dann ist das Endprodukt mitnichten reinsortig. Doch damit gibt sich der Feinschmecker noch nicht zufrieden. Auch die Preisangabe für das Olivenöl der absolut oberen Qualitäts- und somit auch Preisklasse ist völlig daneben: „Für Eure 23,80 € dürft Ihr dann bei mir einmal um das Öl herumgehen und ein Foto machen.“ Ich habe es in mein Programm aufgenommen, und muss dafür 36,95 € verlangen, und das ist die untere Preisgrenze (bei einem der bekanntesten Feinkosthändler Deutschlands müssten Sie dafür um die 45,- € zahlen). Wer die Verpackung und die Flasche in Händen hält, wird wissen, dass allein diese schon so viel Geld kosten, wie ein gutes Olivenöl aus Griechenland zum Beispiel. Das Öl ist etwas für Gourmets mit gehobenen Ansprüchen, da zählt Qualität, der Preis ist eher nebensächlich.

Weiter geht’s: Das hervorragende Olivenöl „Balducio“ von Andreas März findet sich ebenfalls im Heft unter den besten 250. Da gehört es hin, keine Frage. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass der Herr März ob der Verkostungsnotizen sein Feinschmecker-Abo kündigt. Darin wird dem Öl nämlich unter anderem der Geschmack nach Cassis bescheinigt. Nun muss man - und insbesondere der Verkoster wissen, dass Cassisnoten ein Zeichen für unsauberes, verdorbenes Öl sind Außerdem ist das auch für die toskanischen Sorten absolut untypisch. Die Piqual-Olive aus Spanien kann solche Noten schon eher aufweisen.

Das hervorragende Olivenöl von Bartolini, das „Franteo“ aus Umbrien wird verkostungsmäßig total anders beschrieben, als ich es kenne. Ihm werden ausgeprägte Bitternoten bescheinigt, die ich nicht finden konnte. Viel schlimmer aber die Empfehlung, es zum Schmoren von Gemüse zu verwenden. Mit solchen Spitzenölen sollte man nicht braten, kochen, schmoren oder backen. Dazu sind sie zu schade. Über das geschmorte Gemüse geträufelt macht es mehr Sinn, dann sind die Aromen wahrzunehmen.

Und überhaupt: Blättert man die Broschüre durch, gibt es zu jedem Öl eine Verzehrempfehlung nach dem Motto: „Schmeckt gut zu …“. Was impliziert, dass die Feinschmeckerredaktion das ausgiebig getestet haben muss. Bei 250 Ölen mit mindestens einer Empfehlung muss das die wahre Schlemmerorgie gewesen sein. Ich vermute deshalb, es entspringt eher der Fantasie der Journalisten. Vorgabe war es wohl, sich nicht allzu oft zu wiederholen.

Genug geschimpft; ich freue mich eigentlich jedes Jahr auf das Heft mit dem Olivenöltest. Im Großen und Ganzen bietet es einige Orientierung, wenn auch auffällig ist, dass Öle der Anzeigenkunden sehr wohlwollend bewertet werden. Ich wünschte mir deshalb, dass so ein Test in der Dimension einmal von einem beim IOC (International Olive Oil Council) zugelassenen Verkostungspanel durchgeführt wird. Das Ergebnis wäre sicherlich ein etwas anderes.

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.