Die Mär vom Meerschwein, oder „Olivenöl ist ungesund“

Ich genieße mein Öl weiterhin in vollen ZügenProf. Dr. Susanne Klumpp und Prof. Josef Krieglstein sind Wissenschaftler, die kürzlich mit einer Studie, die an der Uni Münster durchgeführt wurde für Aufregung gesorgt haben. Sie haben mein Lieblingslebensmittel in Verruf gebracht: Olivenöl. Mit der markigen Überschrift: „Olivenöl kann zu Arteriosklerose führen“ gab dann auch die Uni Münster in ihrer Pressemitteilung allen vorangehenden, ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Studien zu Olivenöl den Todesstoß.

Sämtliche große Zeitungen in Deutschland und Österreich übernahmen die Meldung und sorgen dafür, dass Verbraucher aller Orten verunsichert werden und die Discounter Umsatzeinbußen beim Olivenöl hinnehmen müssen (was ja gar nicht so schlecht ist).

Wenn man nun annimmt, dass in der Pressemitteilung der Uni Münster die Behauptung im Titel untermauert und erklärt wird, dann irrt man: „Die im Labor von Klumpp und Krieglstein erzielten Ergebnisse sind eindeutig, ungeklärt ist allerdings noch, wie die Vorgänge in einem intakten Organismus ablaufen. Deshalb wurden gesunde Meerschweinchen vier Monate lang mit einer ölsäurereichen Diät gefüttert. Danach konnte allerdings keine Arteriosklerose nachgewiesen werden. "Das kann aber auch daran liegen, dass Meerschweinchen grundsätzlich nur selten Arteriosklerose entwickeln", so Krieglstein.“

Noch einmal für mich zum besseren Verständnis: Die Ergebnisse sind eindeutig, es konnte aber keine Arteriosklerose nachgewiesen werden. Aha!

Aber von vorn: Die beiden Wissenschaftler fütterten Meerschweinchen mit einer ölsäurehaltigen Diät (einfach ungesättigte Fettsäuren). Diese Fettsäure kommt zuhauf auch im Olivenöl vor. Dadurch sammeln sich an den Gefäßwänden weiße Blutkörperchen und Fettpartikel und legen sich als Plaque dort ab. Dies kann dann zu Arteriosklerose führen. Theoretisch. Nicht bei Meerschweinchen, die hatten nur etwas leichtere Herzen als die Kontrollgruppe, die artgerechtes Futter erhalten hatte. Zitat: „Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl beim Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben.“

Dazu möchte ich dann eine kleine Geschichte erzählen. Von unserer Katze nämlich. Die Geschichte trägt die Überschrift:

„Tomaten sind ungesund!“

Tomaten enthalten Blausäure. Um zu beweisen, dass Tomaten nicht so gesund sind, wie allgemein angenommen, habe ich unsere Katze auf eine Blausäurediät gesetzt. Als Kontrollgruppe fungierte unser Hund, der keine blausäurehaltige Nahrung zu sich nehmen musste.

Was soll ich sagen? Die Mieze ist hin (Sie hatte eh nur drei Beine, da bei einem Fallentest die benutzte Falle mit „Sehr gut“ abgeschnitten hatte.)!

Krieglstein und Klumpp (Lässt der Name eigentlich auch auf Forschungsergebnisse schließen?) haben mit Sicherheit sehr gute Arbeit geleistet und für Ergebnisse gesorgt, die ganz im Sinne der Auftraggeber und Kostenträger der Studie gewesen sind. Dass jetzt die böse, böse Herzstiftung die Studie nicht ernst nehmen will, ist bestimmt eine bezahlte Kampagne der Olivenöl produzierenden Länder: „Die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt am Main hat jedoch jetzt betont: Diesen isolierten in-vitro-Versuchen stehen die Ergebnisse vieler auch bei großen Bevölkerungsgruppen gemachten wissenschaftlichen Untersuchungen gegenüber, die den gesundheitlichen Nutzen der mediterranen Küche mit Olivenöl als Haupt-Fettlieferant klar belegen.“

Die Wissenschaftler der EUROLIVE-Studie, der 7-Länder-Studie oder der Universität in Cordoba („Nach einer fettreichen Mahlzeit machen bestimmte Inhaltsstoffe von Olivenöl die Blutgefäße dehnbarer und sorgen so für eine bessere Durchblutung. Diesen Zusammenhang konnten spanische Wissenschaftler in einer Studie mit 21 Freiwilligen nachweisen. Verantwortlich für diesen positiven Effekt sind die so genannte Phenole.“ ) sind bestimmt nicht so fachkundig. Auch dass Kriegelstein und Klumpp vergaßen zu erwähnen, die mehrfach ungesättigten Fettsäuren (die ebenfalls im Olivenöl vorkommen) verhindern die Oxidation und somit die Plaque-Bildung, ist verständlich. Das hätte ja die erwarteten Ergebnisse total verfälscht. Ebenso dass Inhaltsstoffe wie Oleoropein, Oleocanthal und andere ,Herz schützende Wirkung besitzen, war nicht wichtig, ging es doch nur um die einfach ungesättigten Fettsäuren, die bis vor ein paar Monaten von der Ernährungswissenschaft noch in den Himmel gehoben wurden, ob ihrer positiven Wirkung auf den menschlichen Organismus. Frei nach dem Motto „Alles was Du sagst muss wahr sein, aber du musst nicht alles sagen was wahr ist!“ haben Sie gute Arbeit geleistet. Hut ab!!!

Blöd ist nur, dass der Mensch kein Meerschweinchen ist, und dass Meerschweinchen einfach ungesättigte Fettsäuren in der Menge nicht auf dem Speiseplan haben. Und wenn sie diese zu sich nehmen, dann nur in Verbindung mit den Lebensmitteln, in denen die Fettsäuren enthalten sind.

Schimpfen muss ich mit Euch, wenn Ihr Sätze wie: „Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben.“ oder „ Die landläufige Meinung, dass Olivenöl gesund ist, muss wohl revidiert werden ...“ als Tatsache hinstellt. Aber grämt Euch nicht, so schlimm ist es auch wieder nicht, ihr wisst es halt nicht besser. Da kann man Euch keinen Vorwurf daraus machen. Allerdings hättet Ihr jemanden fragen können, der sich mit so was auskennt (bei der Uni Münster zum Beispiel), bevor ihr Land und Leute verrückt macht!

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