Diät, oder die ewige Suche nach der Abkürzung

Sind wir doch mal ehrlich: Jeder von uns, der schon einmal eine Diät gemacht hat, wollte doch eigentlich nur eines; nämlich ohne viel Mühe und Hungern möglichst schnell möglichst viel abnehmen. Das Fazit vorweg: geht nicht!

Schlankheitswahn

 

Diese leidvolle Erfahrung machen Abnehmwillige immer wieder, und immer wieder sind sie auf der Suche nach einer neuen, besseren, effektiveren Diät. Auch diese gibt es nicht, egal, was die oft selbsternannten Ernährungsexperten in so „wissenschaftlichen“ Publikationen wie „Bild der Frau“, „Glücksrevue“, „Brigitte“ und „Für Sie“ – um nur einige zu nennen - propagieren.

Stopp; bevor es Proteste hagelt: Ich rede hier nicht von Menschen mit krankhaftem Übergewicht. Für diese ist sicherlich manche (unter ärztlicher Aufsicht durchgeführte) Diät anfangs sinnvoll und manches Mittelchen, welches einen vollen Magen suggeriert von unschätzbarem Wert. Ich rede von ganz normalen Menschen mit etwas Übergewicht, die gerne ein paar Kilo abnehmen wollen, und sich immer wieder in der Diätfalle wiederfinden. Menschen die meinen, mit nur der richtigen Diät (oder dem richtigen Pülverchen, der richtigen Pille) innerhalb zwei Wochen fünf Kilo zu verlieren, um festzustellen, dass sie nach sechs Wochen nicht nur die verlorenen Kilos wieder drauf haben, sondern noch ein paar mehr. Was hilft? Natürlich die nächste, bessere Diät; und schon dreht sich das Diätenkarussell.

Was gibt es nicht alles für tolle Mittelchen: Xenical oder Alli zum Beispiel, mit dem Wirkstoff Oslistat. Die Pille bewirkt, dass ein Großteil des aufgenommenen Fetts nicht mehr verdaut, sondern gebunden und fäkal ausgeschieden wird. Dass diese Mittelchen keine Ernährungsumstellung bewirken ist inzwischen erwiesen – es wird noch ungehemmter fettes Fastfood in sich hinein gestopft, mit teilweise lustigen Nebenwirkungen: Die Ausscheidungen erfolgen nicht nur während des normalen Stuhlgangs, sondern auch mittels unangenehmer Flatulenzen. Früher sagte man: „Es kommt Land mit!“ Opfer der Mittelchen sind also leicht zu erkennen: am breitbeinigen, komisch-vorsichtigen Gang zur Toilette.

Nun bin ich auch kein Ernährungsexperte (obwohl ich mich – ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen – als Ernährungsberater ausgeben könnte), sondern nur ein Ernährungsinteressierter, der wissenschaftliche Studien zur Ernährung verfolgt und regelmäßig entsprechende Publikationen liest. Dabei ist mir eines klar geworden: Es gibt keine effektive Diät, um dauerhaft abzunehmen und sein Gewicht danach zu halten! Der Körper lässt sich nicht betrügen. Weder von „Light-Produkten“, noch von irgendwelchen Diätpülverchen. Und: Jeder Mensch ist ein eigenständiges Individuum und hat somit seinen ganz eigenen Gewichtslevel, den der Körper mit allen Mittel verteidigt.

Das ist zum Teil auch hormonell bedingt, oder genetisch festgelegt. Beispiel: Viele Männer, die vor der Heirat gertenschlank waren, werden nach der Heirat und den ersten Kindern ein Bäuchlein bekommen, ohne die Ernährung wesentlich umgestellt zu haben. Warum? Weil es die Natur so vorgesehen hat. Der Mann hat seinen Auftrag erfüllt (Frau und Nachwuchs) und kann es darum ruhiger angehen lassen. Es gibt eine hormonelle Umstellung im Körper. Der Testosteronspiegel im Körper von unverheirateten schlanken Männern ist wesentlich höher, als bei den gleichaltrigen verheirateten Kollegen. Warum? Weil sich die Verheirateten gefälligst um das Wohl und Wehe von Frau und Kindern zu sorgen haben, und nicht mehr anderen Frauen hinterher jagen sollen. Hat nicht die Frau gesagt, sondern die Natur! Die ist nämlich gar nicht so dämlich (ein sinkender Testosteronspiegel hat zur Folge, dass das sexuelle Interesse erlahmt und man(n) zunimmt. Das ist auch aus der Rinderzucht bekannt, hier wird gnadenlos kastriert – für schön marmoriertes Rumpsteak).

Bei Frauen scheint das ähnlich (nicht das marmorierte Rumpsteak, sondern die hormonelle Umstellung), denn in der Schwangerschaft und nach der Geburt der Kinder entwickelt sich der Körper ebenfalls, und lagert Energiereserven ein, um den Anforderungen, die die Kinderaufziehung mit sich bringt, gewachsen zu sein. Zum Teil ist das wohl auch Nervenfutter - ist meine Vermutung. Bekannt ist dieser Effekt von der Antibabypille. Der Körper täuscht eine Schwangerschaft vor, als Folge wird die Nahrung effizienter genutzt und es lagern sich ein paar Fettpölsterchen an, um sich für schwere Zeiten zu wappnen.

Wie nun aber abnehmen, wenn man doch dringend in seinen schicken Bikini oder die tolle Badehose passen, und dabei nicht aussehen möchte wie das Michelin-Männchen? Erst einmal Ruhe bewahren und den Bikini oder die Badehose auf die nächste Saison verschieben, denn: Abnehmen geht nicht schnell! Jedenfalls nicht, wenn die Gewichtsreduktion von Dauer sein soll. Zudem sollte man seinen Speiseplan überdenken, und eventuell einige (nicht alle!) tierische Fette gegen gesündere pflanzliche Fette austauschen. Auch auf den übermäßigen Verzehr von Milchprodukten sollte verzichtet werden – schließlich bekommen Babys, egal ob Mensch oder Tier, Milch um groß und stark zu werden; wenn Sie abnehmen wollen, sind Sie ja schon groß und stark, brauchen also dieses Maß an Kraftnahrung nicht – auch wenn Ihnen die CMA etwas anderes weismachen möchte.

Dass man nicht hemmungslos Süßigkeiten in sich hinein stopfen kann, ist eigentlich auch logisch. Und wo wir bei der Logik sind: Sie müssen nur mehr Energie verbrauchen, als zu sich nehmen. Quasi den Grundumsatz des Körpers erhöhen bei gleichgroßer Nahrungsaufnahme, oder die Nahrungsaufnahme vermindern bei gleichem Grundumsatz – was Ihnen lieber ist. Ein mehr an Muskelmasse erhöht übrigens den Grundumsatz. Das heißt, dass beispielsweise ein bis zwei Mal pro Woche ein Besuch im Fitnessstudio durchaus zum Abnehmen beitragen kann. Das Allerwichtigste ist allerdings, dass Sie niemals die Freude am Essen verlieren; dann haben Sie nämlich verloren. Ein Gewichtsverlust von einem Pfund (das sind 500 Gramm liebe Kinder, die ihr das in der Schule nicht mehr zu lernen scheint) pro Woche ist ausreichend, und so stellt sich auch der berüchtigte Jojo-Effekt nicht ein. „Mist!“ werden Sie jetzt vielleicht denken, „Dann ist Abnehmen ja mit richtig Arbeit verbunden!“. Stimmt. Was Sie sich innerhalb von mehreren Jahren angefuttert haben, lässt sich nicht in wenigen Wochen wieder reduzieren (Ich weiß übrigens, wovon ich rede!). Überlegen Sie also genau, ob so ein Bikini den Aufwand wert ist – schließlich gibt es ja auch ganz hübsche Badeanzüge. Überlegen Sie sich zudem, ob Sie wirklich den Rest des Lebens Kalorien zählen wollen, oder ob Sie nicht viel lieber wieder auf Ihren Körper hören möchten, und das essen, was Ihnen schmeckt und gut tut – natürlich ohne über den Sättigkeitspunkt hinaus zu essen. Das sind dann die Kalorien die der Körper wirklich nicht braucht.

Überhaupt sollte man wieder lernen, auf seinen Körper zu hören; der ist meist ein besserer Ratgeber als alle Ernährungsberater zusammen. Mal wieder richtig Appetit auf etwas zu haben, ein Verlangen, welches nicht dem Kopf sondern dem Körper entspringt, weil der Bedarf nach gewissen Vitaminen, Eiweißen, Mineralstoffen oder Spurenelementen da ist, ist eine Erfahrung, die wir nur noch selten machen. Schwangere können ein Lied davon singen: Wie oft hat man sich über die unmögliche Nahrungszusammenstellung lustig gemacht? Der Körper verlangte einfach nach Schokolade mit Brathering und Erdbeermarmelade.

Auch der Zeitpunkt für ein Abnehmvorhaben sollte gut gewählt sein. Haben Sie gerade Ärger, Kummer, Stress? Dann lassen Sie es, es wird nicht funktionieren.

Essen Sie aus Zeitmangel viel Fertiggerichte, Tütensuppen und ähnlichen mit Geschmacksverstärkern, Süßstoffen und Zusatzstoffen versehene „Nahrungsmittel“? Auch dann wird Abnehmen kaum funktionieren. Geschmacksverstärker und Süßstoffe (Süßstoffe werden beispielsweise dem Mastfutter von Schweinen beigemischt; warum wohl?) machen Hunger auf mehr, und was diverse Zusatzstoffe in unserer Nahrung anrichten, ist noch gar nicht richtig erforscht. Ich erwarte nichts Gutes.

Ernähren wir uns wieder natürlich. Stellen wir unsere Nahrung aus natürlichen Zutaten zusammen, verbannen wir Tütensuppen und Salatkrönungen aus unseren Küchen, haben wir wieder Freude am gemeinsamen Essen, und vielleicht auch an der gemeinsamen Essenszubereitung. Lassen wir den Fernseher nicht das wichtigste Möbelstück in unserer Wohnung sein (Übermäßig fernsehen macht dick! Tatsache!). Kümmern wir uns nicht mehr um Diäten, Ernährungsberatung und Gesundheitsapostel. Seit es die „gesunde Ernährung“ ins öffentliche Bewusstsein geschafft hat, gibt es eine vehemente Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten. Essen Sie also wieder normal, und hören auf Ihren Körper; dann klappt’s auch wieder mit dem Bikini – nächstes oder übernächstes Jahr.

Ein kleines Bonmot von dem Lebensmittelchemiker Udo Pollmer zur gesunden Nahrung, abgegeben in einem Interview in der „Welt“ am 6. Dezember 2005 möchte ich Ihnen dann doch nicht vorenthalten. Als Antwort auf die Frage: „Was schlägt Udo Pollmer als gesunde Nahrung vor?“ meinte er lapidar: „Goutieren Sie doch mal die offiziellen Ratschläge. Die empfehlen eine Kost, die kalorien-, zucker- und fettarm ist, dafür viele Ballaststoffe und Vitamine, sowie hochwertiges Eiweiß enthält. Es gibt ein Produkt, dass diesen Ansprüchen in jeder Hinsicht gerecht wird: Es ist exakt das, was wir jeden Morgen auf der Toilette hinterlassen. Die genannten guten Gaben verdanken wir der ausgeschiedenen Darmflora. Mahlzeit!“

Foto: pixelio.de
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